Warum das?


Es wurde bereits fast alles fotografiert – nur noch nicht von mir

Fotografieren erscheint als individuelle Aktivität, als subjektive Gestaltung. Dennoch handelt es sich bei der Schaffung von Abbildern um einen sozialen Prozess. Bildgestaltung erfolgt nach bestimmten Regeln bzw. Vorstellungen, die nicht aus dem Nichts kommen. Vielmehr sind sie „ganz hinten“ im Hinterkopf abgelegt als Ergebnis vielfältiger sozialer Erlebnisse. Außerdem ist die Kamera mit allen technischen Finessen nicht selbst gebaut, sondern gewöhnlich nur selbst gekauft.

Dem Fotografierenden erscheint das selbst aufgenommene Bild als Unikat. Denn der subjektiv empfundene Entstehungsprozess ist oft mit spezifischen Erinnerungen verknüpft, die unbeteiligten Betrachtern nicht zugänglich sein müssen. Bei Foto-Wettbewerben z.B. finden sich hingegen häufig gleiche Motive. Es scheint in weiten Teilen ein genormtes Bild-Erlebnis in der Fotoszene verankert, auch bei Agentur- oder Werbefotos, auf Websites und in Fotobüchern. So verfestigt sich offenbar eine historisch dominante Ästhetik (s. Esen).

Bei mir gibt es keine perfekt durchgeplanten Aufnahmen. Dennoch suche ich nach einer Bildaussage. Ob das Ergebnis neutrale Beobachter/innen jeweils begeistert, frage ich mich zunächst nicht. Meine Fotos sind kurzfristige Ausschnitte aus meiner Wirklichkeit bzw. meiner Wahrnehmung davon. So mache ich Aufnahmen von dem, was mir ins Auge springt, aber suche auch nach Unscheinbarem. Ich möchte in das Motiv, in eine Szene „hineinschauen“ und versuche es mit einem Foto festzuhalten und ein wenig zu öffnen.

Die erste Kamera bekam ich 1965 geschenkt, eine Kodak Retinette. Die Canon AE-1 konnte ich mir 1975 schon selbst leisten – gebraucht. Im Jahr 2005 gelang mir der Einstieg in die digitale Fotografie mit einer Nikon Coolpix [pardon]. Meine erste digitale Spiegelreflex war 2010 die Canon EOS 450d und heute fotografiere ich „zweihändig“ mit der Canon EOS 800d und mit der spiegellosen Canon EOS M6. Mal sehen, was dann kommt …

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Es heißt, Fotografieren macht angenehme Momente schöner. Wer „knipsend beobachtet“, hat mehr Spaß daran. Fotografieren basiert auf Wahrnehmung der Umwelt. Wenn wir versuchen, den perfekten Moment für ein Foto abzupassen, intensivieren wir das gegenwärtig Erlebte (s. Hartmann). Mit Bildgestaltung will ich Ordnung in die Vielschichtigkeit meiner Wahrnehmung bringen. Ein Foto ist angenehmer zu betrachten, wenn es auf das Wesentliche reduziert (s. Esen). Ich mag keine Wimmelbilder, sondern schaue was mich interessiert, was meine Aufmerksamkeit spontan weckt. Dann schalte ich den Verstand ein und die Kamera. Meine Suche geht aber intuitiv weiter.

Meine bewusste fotografische Arbeit ist die Suche nach einer aussagekräftigen Perspektive und dazu passend Bildausschnitt bzw. Brennweite. Die Belichtungszeit habe ich meist vorgewählt, Blende und ISO legt der Automat in der Kamera fest. Ich nehme mir nur einen Augenblick Zeit für das Motiv, dann wird ein Bild gemacht. Das Ergebnis ist eine jpg-Datei; RAW ist mir zu aufwändig. Meine Nachbearbeitung dient nur der Herausarbeitung des Gesehenen bzw. des Gemeinten und der Korrektur an Zuschnitt, ggf. an Kontrast, etwas Farbsättigung.

Mich interessiert: Was sehen andere in meinen Bildern, was empfinden sie dabei?
Wodurch würde ein anderer Eindruck entstehen, eine andere Wirkung erzielt?

 


Mehr lesen bei …
Jacqueline Esen, Warum fotografieren? am 13.03.2019 auf https://fotonanny.blogspot.com
Corinna Hartmann, Knips dich glücklich! am 02.08.2016 auf http://www.spektrum.de/magazin/